Bessere Prompts schreiben: Vier Angaben, die jede KI-Antwort verbessern

Die meisten enttäuschenden KI-Antworten haben dieselbe Ursache: Die Frage war zu allgemein. „Schreib mir etwas über Marketing“ kann das Modell nicht gut beantworten, weil die Anfrage nicht verrät, für wen der Text gedacht ist, was er bewirken soll und wie lang er sein darf. Das Modell rät dann – und liefert genau jenen unverbindlichen Durchschnittstext, den viele für die natürliche Grenze der Technik halten. Ist sie aber nicht.

Rolle: Wer spricht hier eigentlich

Die erste Angabe ist die Perspektive. Ein Sprachmodell hat unzählige Textsorten gelesen und kann sie nachbilden, sobald man ihm sagt, welche gemeint ist. „Du bist Steuerberaterin und erklärst einem Kleinunternehmer ohne Vorkenntnisse“ erzeugt einen völlig anderen Text als dieselbe Frage ohne diesen Satz.

Die Rolle wirkt dabei weniger wie eine Verkleidung als wie ein Filter. Sie legt fest, welches Vokabular angemessen ist, wie viel Vorwissen vorausgesetzt wird und welche Details weggelassen werden dürfen. Gerade bei Fachthemen ist das der wirksamste einzelne Hebel.

Ziel: Was der Text bewirken soll

Die zweite Angabe ist der Zweck. Ein Text, der überzeugen soll, ist anders gebaut als einer, der informiert, und wieder anders als einer, der beruhigt. „Der Kunde soll verstehen, warum sich die Lieferung verzögert, und trotzdem bei uns bleiben“ ist eine bessere Anweisung als „Schreib eine Entschuldigung“, weil sie dem Modell einen Massstab gibt, an dem es die Formulierungen ausrichten kann.

Ein nützlicher Nebeneffekt: Wer das Ziel aufschreiben muss, merkt oft selbst erst, dass es unklar war. Ein guter Teil der Arbeit mit KI besteht darin, die eigene Absicht zu präzisieren.

Form: Länge, Ton und Struktur

Die dritte Angabe betrifft die äussere Gestalt. Ungefähre Wortzahl, gewünschter Tonfall, erlaubte oder unerwünschte Stilmittel. „Etwa 150 Wörter, sachlich, keine Ausrufezeichen, keine Aufzählungen“ verhindert zuverlässig jene aufgeregte Werbesprache, in die Modelle sonst gern verfallen.

Besonders wirksam sind Verbote. Ein Modell versteht „ohne Floskeln wie ‚in der heutigen schnelllebigen Zeit‘“ sehr gut und hält sich daran. Wer drei typische Wendungen benennt, die er nicht lesen möchte, bekommt fast immer einen deutlich eigenständigeren Text.

Beispiel: Zeigen statt beschreiben

Die vierte Angabe ist die stärkste und wird am seltensten genutzt. Wenn ein bestimmter Stil gewünscht ist, ist ein kurzes Beispiel jeder Beschreibung überlegen. Zwei Sätze aus einem früheren Text mit dem Hinweis „so soll es klingen“ treffen den Ton genauer als drei Absätze Stilanweisungen.

Dasselbe gilt für Struktur und Format. Wer ein Muster vorgibt – etwa wie ein Eintrag aufgebaut sein soll – bekommt zwanzig weitere Einträge in exakt dieser Form. Das Modell ist im Nachahmen deutlich besser als im Interpretieren abstrakter Vorgaben.

In Schritten arbeiten statt alles auf einmal

Eine einzelne perfekte Anfrage zu formulieren ist schwerer, als in zwei oder drei Runden zum Ziel zu kommen. Erst die Gliederung besprechen, dann den ersten Abschnitt schreiben lassen, dann nachschärfen. Das Modell behält den Gesprächsverlauf im Blick, sodass kurze Folgeanweisungen wie „kürzer“, „konkreter“, „ein Beispiel ergänzen“ oder „weniger werblich“ ausreichen.

Wer stattdessen jedes Mal eine neue, längere Anfrage stellt, wirft die bereits erreichte Annäherung weg und beginnt von vorn. Das ist der häufigste vermeidbare Zeitverlust im Umgang mit KI.

Was Prompts nicht leisten können

Keine Formulierung macht aus einem Sprachmodell eine verlässliche Faktenquelle. Auch die beste Anweisung ändert nichts daran, dass das Modell Wahrscheinlichkeiten berechnet und dabei plausibel klingende Falschangaben erzeugen kann. Ein Zusatz wie „antworte nur, wenn du sicher bist“ hilft ein wenig, ersetzt die Prüfung aber nicht.

Genauso wenig lässt sich fehlendes Wissen über die Gegenwart durch geschickte Fragen umgehen. Wo es um aktuelle Zahlen, Termine oder Rechtsstände geht, bleibt die Recherche in einer echten Quelle unvermeidlich. Prompts verbessern die Form und den Zuschnitt einer Antwort – sie erweitern nicht, was das Modell weiss.

Fertige Formulierungen zum Ausprobieren findest du in der Prompt-Bibliothek. Für wiederkehrende Aufgaben nehmen dir die Werkzeuge die Formulierung ganz ab.